Online zum Herzen

Du bist Jesus nicht zu fern

Warum eine fremde Frau zeigt, dass Herkunft und Religion keine unüberwindbare Grenze sein müssen

Wenn Du glaubst, nicht dazuzugehören

Eine Frau wagt den Schritt - und Jesus antwortet auf ihren Glauben

Sie war eine Frau(!), eine Fremde aus einem für Juden unfreundlichen Land, und religiös weit von Jesu Umfeld entfernt. Trotzdem kam sie zu ihm und sprach den fremden Mann, den Juden, an. Einfach deshalb, weil ihre Tochter litt. Sie brachte keine fertige Theologie mit. Nur ihre Not, ihre Beharrlichkeit und das Vertrauen, dass selbst ein kleiner Anteil seiner Barmherzigkeit genügen würde. Herkunft spielt eine besondere Rolle. Am Ende stellte Jesus ihren Glauben gerade deswegen als außergewöhnlich heraus.

Du gehörst nicht dazu

Manchmal braucht es keinen ausgesprochenen Satz. Du spürst auch so, dass Du nicht zur richtigen Gruppe gehörst. Deine Herkunft ist eine andere. Deine Familie glaubt anders. Dein Umfeld würde nicht verstehen, warum Du Dich ausgerechnet an Jesus wendest. Vielleicht kennst Du ihn als Isa, den Sohn Maryams – geachtet, aber auf Abstand gehalten.

So ähnlich beginnt die Begegnung, von der Matthäus und Markus berichten. Jesus befindet sich im Gebiet von Tyrus und Sidon. Dort kommt eine Frau zu ihm. Matthäus nennt sie eine Kanaanäerin. Markus beschreibt sie als Griechin syrophönizischer Herkunft. In beiden Berichten ist klar: Diese Frau gehört nicht zum Volk Israel und nicht zu Jesu religiösem Umfeld.

Sie ist gesellschaftlich eine Außenseiterin. Aber sie ist zugleich eine Mutter, deren Tochter schwer leidet. Und sie hat von Jesus gehört.

Sie wartet nicht, bis sie Jesus gesellschaftlich oder religiös nahe genug ist. Sie kommt, weil sie ihn braucht.

Drei Worte aus der Verzweiflung

Die Frau ruft Jesus an. Sie bittet um Erbarmen. Als das Gespräch immer schwieriger wird, verdichtet sich alles, was sie sagen kann, auf einen einzigen kurzen Satz:

Herr, hilf mir!

Mehr ist es nicht. Keine lange Erklärung. Keine kunstvolle Gebetsformel. Kein Beweis, dass sie würdig wäre. Nur eine ehrliche Bitte.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum diese Geschichte Menschen bis heute erreicht. Wer wirklich verzweifelt ist, hat oft keine großen Worte mehr. Aber ein einziger wahrer Satz kann bereits eine Tür öffnen.

Warum schweigt Jesus zunächst?

Der Text ist an dieser Stelle unbequem. Jesus antwortet zunächst kein Wort. Seine Jünger möchten die Frau loswerden. Dann verweist Jesus auf seine Sendung zu Israel. Schließlich gebraucht er das Bild vom Brot für die Kinder, das nicht den Hunden gegeben werden soll.

Man sollte diese Härte nicht schönreden. Die Frau erlebt keine sofortige, freundliche Bestätigung. Manche Ausleger verstehen das als Prüfung ihres Glaubens. Andere sehen darin eine Begegnung, in der sichtbar wird, wie Gottes Barmherzigkeit eine religiöse und ethnische Grenze überschreitet. Der Bibeltext selbst erklärt Jesu Motiv nicht ausdrücklich.

Bei Markus steht allerdings ein wichtiges Wort: Zuerst sollen die Kinder satt werden. Zuerst bedeutet eine Reihenfolge – nicht zwingend einen endgültigen Ausschluss. Und tatsächlich bleibt die Abgrenzung nicht das letzte Wort der Geschichte.

Glaube bedeutet nicht, dass Du niemals Schweigen oder Widerstand erlebst. Glaube kann auch heißen, im Schweigen nicht aufzuhören zu hoffen.

Die Frau widerspricht - ohne den Respekt zu verlieren

Die Frau geht nicht beleidigt fort. Sie lässt sich aber auch nicht zum Schweigen bringen. Sie nimmt Jesu Bild auf und antwortet sinngemäß: Selbst die Hunde unter dem Tisch bekommen die Brotkrumen, die herunterfallen.

Das ist weder blinde Unterwerfung noch aggressive Rebellion. Es ist eine kluge, demütige und zugleich mutige Antwort. Sie verlangt nicht, den Kindern das Brot wegzunehmen. Sie vertraut darauf, dass Jesu Barmherzigkeit so groß ist, dass schon ein Krümel genügt – und dass ihre Tochter dadurch niemand anderem etwas nimmt.

Gottes Barmherzigkeit wird nicht kleiner, wenn sie auch eine Fremde erreicht.

Jesus würdigt genau diesen Glauben. Bei Matthäus sagt er: „Frau, dein Glaube ist groß.“ Bei Markus stellt er ihre Antwort heraus. Die Tochter wird geheilt, obwohl sie nicht anwesend ist. Die Hilfe überwindet sogar die räumliche Entfernung.

Obwohl sie eine Heidin war, ehrte Jesus ihren Glauben – ein Zeichen dafür, dass das Heil auch zu den Völkern kommen sollte.

Nicht ihre Religion wird gelobt - sondern ihr Vertrauen

Jesus fragt die Frau nicht nach ihrer Abstammung, ihrer religiösen Ausbildung oder der Zustimmung ihrer Familie. Er weiß bereits, dass sie von außerhalb kommt. Gerade deshalb ist sein abschließendes Lob so bemerkenswert.

Er sagt nicht: Deine Herkunft ist groß. Er sagt auch nicht: Deine Zugehörigkeit ist groß. Er sagt: Dein Glaube ist groß.

Die Frau hatte keine fertige christliche Lehre. Sie kannte nicht alle späteren Bekenntnisse der Kirche. Was sie hatte, war das Vertrauen, dass Jesus helfen kann – und dass sie sich trotz aller sichtbaren Grenzen an ihn wenden darf.

Sie muss nicht warten, bis sie Jesus gesellschaftlich oder religiös nahe genug ist. Sie kommt, weil sie ihn jetzt gerade braucht. Und er ist da.

Was diese Begegnung meinen muslimischen Freunden sagen kann

Wenn Du muslimisch aufgewachsen bist, ist Jesus kein völlig Fremder für Dich. Im Koran wird Isa ibn Maryam als Messias bezeichnet, als ein Wort von Gott und als Zeichen für die Menschen. In Sure Maryam wird er außerdem mit Barmherzigkeit in Verbindung gebracht.

Mein christliches Erleben mit Jesus geht deutlich weiter: Jesus ist mein Freund, mein Kumpel, mein Retter wenn alles drunter und drüber geht. Wenn ich nicht mehr weiter weiss, spreche ich mit ihm und er ist da. 

Du musst nicht zuerst Fragen  beantworten, oder beten und Du darfst Jesus zuerst Deine Frage stellen.

Im Islam nennt man das Bittgebet zu Allah Dua (arabisch: دعاء). Es ist ein würdevolles Ritual das ich hier respektvoll skizzieren möchte.

Diese Übersicht zeigt was man bei einer Dua macht und was dabei wichtig ist.
Voraussetzungen für die Annahme
  • Reine Absicht: Bitte nur Allah allein um Hilfe.
  • Erlaubtes Einkommen: Nahrung und Besitz müssen halal (erlaubt) sein.
  • Gutes erbitten: Das Dua darf nichts Sündiges beinhalten.
Der Ablauf eines Duas
  • Allah loben: Beginne mit Seinen Namen (z. B. Al-Rahman, Al-Rahim).
  • Segenswünsche: Sprich Segenswünsche für den Propheten Muhammad aus (Salawat).
  • Sünden bereuen: Bitte Allah zuerst um Vergebung für deine Fehler.
  • Deine Bitte äußern: Trage dein Anliegen vor.
  • Vertrauen haben: Sei fest davon überzeugt, dass Allah dich hört.
Empfohlene Haltung (Adab)
  • Gebetsrichtung: Drehe dich wenn möglich Richtung Mekka (Qibla).
  • Reinheit: Sei idealerweise rituell rein (Wudu / Gebetswaschung).
  • Hände heben: Halte deine Handflächen offen nach oben vor deine Brust.
  • Leise Stimme: Bitte demütig, voller Ehrfurcht und mit leiser Stimme. 
Beste Zeiten für ein Dua
  • Im Sudschud: Wenn du dich im Gebet niederwirfst.
  • Letztes Drittel der Nacht: Die Zeit vor dem Morgengebet (Fajr).
  • Zwischen Adhan und Iqama: Die Zeitspanne zwischen den beiden Gebetsrufen.
  • Beim Fastenbrechen: Kurz vor dem Essen im Ramadan oder beim freiwilligen Fasten.
  • Am Freitag: Es gibt eine bestimmte Stunde am Freitag, in der Duas erhört werden.

Ist es für einen Muslim erlaubt, Jesus direkt anzusprechen?

Für einen gläubigen Muslim kann dieser Gedanke ungewöhnlich oder sogar beunruhigend sein. Denn das direkte Gebet zu Jesus entspricht nicht der klassischen islamischen Lehre. Das sollte man offen sagen und nicht kleinreden.

Dieser Beitrag will Dich deshalb nicht überlisten und auch nicht dazu bringen, Deine Herkunft zu verachten. Er lädt Dich zu einer ehrlichen Begegnung ein. Wenn Jesus nur ein ferner Name ist, kannst Du ihn selbst fragen, wer er ist. Wenn Du Sorge hast, etwas Falsches zu tun, kannst Du gerade diese Sorge aussprechen.

Gott braucht keine Angst vor einer aufrichtigen Suche nach Wahrheit. Und Wahrheit braucht keinen gesellschaftlichen Zwang.

Jesus, Du kennst mich.
Du kennst meine Herkunft, meine Fragen und meine Angst.
Wenn Du mich hörst, dann hilf mir.
Zeige mir, wer Du wirklich bist.
Führe mich in die Wahrheit und lass mich Deine Nähe erkennen.
Amen.

Vielleicht beginnt alles mit einem einzigen Satz

Du musst keinem Menschen von diesem ersten Schritt erzählen. Du musst keine Rolle spielen und keine Gewissheit vortäuschen, die Du noch nicht besitzt. Du kannst an einem stillen Ort die beiden Berichte lesen und danach einen einzigen ehrlichen Satz sprechen:

„Jesus, wenn Du mich hörst: Hilf mir und zeige mir, wer Du bist.“

Dann darfst Du aufmerksam werden. Nicht auf jedes zufällige Ereignis und nicht auf selbst erzeugte Zeichen, sondern auf das, was sich durch das Lesen der Worte Jesu, durch Gebet, Wahrheit, Liebe und wachsende innere Klarheit zeigt.

Gesellschaftliche Entfernung ist keine göttliche Entfernung

Die kanaanäische Frau war weit entfernt – ethnisch, religiös und gesellschaftlich. Trotzdem war sie nicht außerhalb der Reichweite Jesu. Sie musste ihre Herkunft nicht zuerst ungeschehen machen. Sie musste nur den Mut finden, sich ihm zuzuwenden.

Diese Geschichte ist keine Garantie, dass jedes Gebet sofort so erfüllt wird, wie wir es wünschen. Auch Christen erleben Krankheit, Verlust, Schweigen und lange Wege. Aber die Begegnung zeigt etwas Entscheidendes: Kein Mensch ist allein wegen seiner Herkunft, seiner Familie oder seiner bisherigen Religion zu weit von Jesus entfernt.

Vielleicht hast Du gelernt, Jesus respektvoll auf Abstand zu halten. Vielleicht kennst Du ihn, aber Du sprichst nicht mit ihm. Vielleicht fürchtest Du, was andere denken würden. Dann erinnere Dich an diese Frau. Sie ließ die sichtbare Grenze nicht entscheiden, ob sie hoffen durfte.

The reason Jesus didn´t answer to the Canaanite woman

Dieser Film inspirierte mich etwas tiefer in die Materie einzusteigen. Etwas, was ich jedem empfehlen kann. Statt einfach etwas zu übernehmen, selber lesen und recherchieren. Wir können heute in Minuten in alle Bibliotheken weltweit eintauchen. 

Referenzbox - Zum Weiterlesen

Matthäus 15,21-28 – Die kanaanäische Frau: Bibeltext öffnen

Markus 7,24-30 – Die syrophönizische Frau: Bibeltext öffnen

Koran 3,45 – Jesus als Messias und Wort von Gott: Koranstelle öffnen

Koran 4,171 – Jesus, Gottes Wort an Maria: Koranstelle öffnen

Koran 19,21 – Jesus als Zeichen und Barmherzigkeit: Koranstelle öffnen

Passender Beitrag auf Online zum Herzen: Lebenskrise überwinden – Wenn Du keine Kraft mehr hast

Söök hier

Nog mehr dorvan

Islam

Meine ganz persönlichen Betrachtungen und Forschungen zum Islam, zum Koran und der Verbindung zu den

Een bisschen Filosofeeren

Nies uut de Fedder

Shine on you crazy diamond

Wie im Himmel – Die wahre Bedeutung von Gabriellas Song. Der Film „Eine tiefgehende Erklärung über Selbstwert, Heilung, Freiheit und

You’ve Got a Friend

You’ve Got a Friend“ wurde ursprünglich von Carole King geschrieben und erschien auf ihrem Album „Tapestry“.

Picture of Bestkes Thomas

Bestkes Thomas

Bestkes Thomas, ein echter Sauerländer, trägt die Region bis heute in Stimme und Haltung. Aufgewachsen zwischen Wiesen, Treckern und Schützenfesten – mit Lagerfeuer, Schwimmenlernen in der Nuhne und Fahrradfahren auf einem viel zu großen 28-Zoll-Rad. Das schmiedet Charakter.

Parallel die Jugend im Ruhrgebiet.: Baustellen erforschen, weggeworfene Pfandflaschen einlösen, Schrott verkaufen, im elterlichen Betrieb mit anpacken, Gymnasium, Abitiur, BWL-Studium. Heute verbindet er bäuerliche Schlauheit mit akademischer Klarheit, Humor mit Verantwortung und eine gesunde Portion Selbstironie.

Wer gelernt hat, Forellen mit bloßen Händen zu fangen und nicht aufzugeben, bleibt auch in stürmischen Zeiten standfest.

Schreibe einen Kommentar

Online zum Herzen: