Prof. John Lennox
John Lennox über Gott, KI und das Ende der Geschichte
- Bestkes Thomas
- Glaow, Stimmen des Glaubens
- AI, Apokalypse, Jesus, John Lennox, Offenbarung
STIMMEN DES GLAUBENS · FOLGE 1
Gott, KI und das Ende der Geschichte – warum die Offenbarung kein Buch der Angst, sondern der Hoffnung ist
Es gibt Menschen, die ihren Glauben vor allem bekennen. Andere versuchen, ihn zu erklären. Und dann gibt es Persönlichkeiten wie John Lennox, die über Jahrzehnte hinweg zeigen, dass sich christlicher Glaube, wissenschaftliche Arbeit und kritisches Denken nicht gegenseitig ausschließen müssen.
Warum John Lennox in diese Reihe gehört
John Lennox ist Mathematiker, Wissenschaftsphilosoph, Autor und einer der bekanntesten christlichen Apologeten unserer Zeit. Unter Apologetik versteht man hier nicht eine Rechtfertigung im entschuldigenden Sinne, sondern die rationale und intellektuelle Begründung des Glaubens.
Seine besondere Stärke liegt darin, schwierige Fragen nicht zu umgehen. Er beschäftigt sich mit Atheismus, Naturwissenschaft, künstlicher Intelligenz, Macht, Moral, Leid, Zukunftsangst und der Frage, ob der Mensch in einem rein materiellen Universum überhaupt einen objektiven Wert besitzen kann.
Lennox argumentiert klar, gelegentlich humorvoll und ohne die aggressive Schärfe, die viele weltanschauliche Debatten prägt. Er fordert seine Zuhörer zum Denken heraus, ohne dabei den Glauben auf eine rein akademische Theorie zu reduzieren.
Genau deshalb eröffnet John Lennox diese neue Reihe.
Sie stellt Männer und Frauen vor, deren Vorträge, Bücher und Forschungen helfen können, den christlichen Glauben nicht nur emotional zu erleben, sondern auch gedanklich zu durchdringen.
Das Video: Gott, KI und das Ende der Geschichte
Wohin bewegt sich die menschliche Geschichte – und worauf kann der Mensch seine Hoffnung gründen?
Vollständiges deutsches Transkript des Vortrags
«The Book of Revelation» CCUK Pastors & Leaders Conference 2026 – John Lennox
Redaktioneller Hinweis: Das folgende Transkript wurde aus dem englischen Vortrag ins Deutsche übertragen. Offensichtliche Fehler und Satzabbrüche der automatischen Transkription wurden sprachlich geglättet. Die Bibelzitate sind sinngemäß übersetzt und nicht durchgehend einer bestimmten deutschen Bibelausgabe entnommen.
Beginn des Transkripts
Guten Morgen zusammen. Es ist mir eine große Freude, bei Ihnen allen zu sein.
Einige von Ihnen waren, soweit ich weiß, bereits im vergangenen Jahr hier. Seit unserem letzten Treffen habe ich ein ziemlich umfangreiches neues Buch mit einem ungewöhnlichen Titel veröffentlicht.
Es heißt „Gott, KI und das Ende der Geschichte“.
Entscheidend ist allerdings der Untertitel: „Das Buch der Offenbarung im Zeitalter intelligenter Maschinen verstehen“.
Ich habe den Titel nicht selbst ausgewählt, und er ist ein wenig irreführend. Wenn die Menschen zunächst nur den Haupttitel sehen, denken sie, dies sei mein neuestes Buch über künstliche Intelligenz. Das ist es nicht.
Mein jüngstes Buch über KI erschien vor ungefähr einem Jahr. Es ist die aktualisierte Fassung von „2084 – Wie künstliche Intelligenz unsere Zukunft bestimmt“.
Dieses Buch hingegen ist eine Auslegung des Buches der Offenbarung.
Vielleicht überrascht Sie die Verbindung zwischen Technologie und dem Buch der Offenbarung. In gewisser Weise sollte sie uns jedoch nicht überraschen. Wir leben in äußerst turbulenten Zeiten – politisch ganz offensichtlich. Zugleich rasen wir auf eine unbekannte Zukunft zu, in der die Technologie eine beherrschende Stellung eingenommen hat, insbesondere im Leben unserer jungen Menschen.
Sie beeinflusst ihr Denken und läuft Gefahr, die Zukunft auf ganz unterschiedlichen Ebenen zu bestimmen.
Wir müssen deshalb über die Zukunft nachdenken. Dabei ist es wichtig zu erkennen, dass die Heilige Schrift über die Zukunft spricht.
Wir würden niemals einem Politiker zuhören – wobei wir ihnen ohnehin nicht immer zuhören –, der ausschließlich über die Vergangenheit und seine bisherigen Leistungen redet. Wir wollen wissen, was er zu tun beabsichtigt.
Die Heilige Schrift sagt viel über die Vergangenheit, aber ebenso viel über die Zukunft. Beide Elemente prägen uns auf folgende Weise:
Ein Mensch, der sein Gedächtnis verliert, leidet an Amnesie. Er muss ringen und kämpfen, um seine Identität wiederzufinden. Denn die Vergangenheit prägt unsere Identität.
Deshalb schreiben autoritäre Regime die Geschichte um. Sie wollen die Identität der Menschen auslöschen. Und genau davon erleben wir gegenwärtig sehr viel in der Welt.
Aber wir brauchen auch eine Zukunft, für die es sich zu leben lohnt.
Das Wort Hoffnung ist ein sehr charakteristisch christliches Wort. Es bezeichnet meine Erwartung an die Zukunft. Was erwarte ich von der Zukunft?
Im Jahr 2009 sagte ein überaus bedeutender und weltbekannter Biologe etwas dazu. Es handelt sich um den Entomologen E. O. Wilson. Er sagte:
„Das eigentliche Problem der Menschheit besteht darin, dass wir paläolithische Gefühle, mittelalterliche Institutionen und gottgleiche Technologie besitzen. Und das ist ungeheuer gefährlich.“
Er fuhr fort:
„Wenn wir nicht jene gewaltigen philosophischen Fragen beantworten, welche die Philosophen vor einigen Generationen aufgegeben haben – woher kommen wir, wer sind wir und wohin gehen wir? –, dann stehen wir rational betrachtet auf äußerst dünnem Boden.“
Natürlich hat er recht.
Achten Sie auf diese Fragen:
Woher kommen wir?
Wer sind wir?
Wohin gehen wir?
Die erste Frage betrifft die Vergangenheit, die zweite die Gegenwart und die dritte die Zukunft.
Alle drei Fragen haben etwas gemeinsam: Die Wissenschaft kann keine von ihnen wirklich beantworten.
Sie kann uns auf einer bestimmten Ebene einiges darüber sagen, woher wir kommen. Was die Naturwissenschaften uns jedoch nicht sagen können, ist die Antwort auf die wichtigste aller Fragen: die Frage nach dem Warum.
Es ist die Frage nach dem Sinn.
Leider leben wir in einer Welt, die seit mehreren Jahrhunderten so stark vom säkularen Denken beherrscht wird, dass wir – wie jemand es sehr treffend formuliert hat – inzwischen in einer Welt leben, in der wir verstehen, wie beinahe alles funktioniert, aber von nichts mehr den Sinn kennen.
Eine der wichtigsten Eigenschaften unseres christlichen Glaubens besteht darin, dass er die Frage nach dem Sinn beantwortet. Er gibt uns die biblische Geschichte, die große Geschichte der Heiligen Schrift – beginnend mit der Schöpfung und hinführend bis zu der kommenden neuen Welt.
Wir leben also in einer Welt, in der die Menschen diese Fragen stellen.
Soweit ich weiß, sind die meisten von Ihnen, wenn nicht sogar alle, im pastoralen Dienst tätig. In den verschiedenen Ländern Europas sind Sie daher ständig von Menschen umgeben, die verzweifelt wissen möchten, woher sie kommen, wer sie sind und wohin sie gehen.
Eine der Fähigkeiten, die wir deshalb entwickeln müssen, besteht darin, den Menschen eine vernünftige, reale und fest begründete Hoffnung zu vermitteln – eine Erwartung für die Zukunft, die tragfähig ist und sie nicht enttäuschen wird.
Denn insbesondere viele unserer jungen Menschen haben das Gefühl, ständig enttäuscht und im Stich gelassen zu werden.
Was ist nun die zentrale christliche Hoffnung?
Sie besteht in der Tatsache, dass der Herr Jesus auf diesen Planeten zurückkehren wird.
Es ist außerordentlich wichtig, dass wir begreifen: Dies ist kein Randthema des Christentums. Es gehört zu seinem innersten Kern.
Bevor Jesus in das Haus seines Vaters zurückkehrte, versprach er seinen Jüngern:
„Wenn ich weggehe, werde ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin.“
Beachten Sie genau, was er sagte. Er sagte nicht: „Ich werde euch in den Himmel bringen“, obwohl das natürlich ebenfalls wahr ist.
Es geht nicht so sehr um einen Ort, sondern um eine Person: Wir sollen bei ihm sein.
Darin liegt die Erfüllung und Vollendung des Herzens des christlichen Glaubens. Dieser Glaube beginnt mit einer vertrauensvollen Beziehung zum Herrn Jesus und wird vollendet sein, wenn wir schließlich bei ihm sind.
Paulus erklärt den Thessalonichern, dass wir bei Jesus sein werden, wenn er kommt:
„So werden wir für immer beim Herrn sein.“
Bemerkenswert ist, dass die Heilige Schrift selbst nicht besonders häufig davon spricht, dass wir in den Himmel gehen. Sie spricht durchaus über den Himmel, aber vor allem spricht sie davon, dass wir zum Herrn gehen und bei ihm sein werden.
Das ist der entscheidende Punkt.
Jesus sagte dies seinen Jüngern. Für unser öffentliches Zeugnis vielleicht noch wichtiger ist jedoch, dass er es während seines Prozesses vor der Welt aussprach – in jenem entscheidenden Augenblick, als der Hohepriester ihn fragte, ob er der Messias sei.
Jesus antwortete sinngemäß:
„Du hast es gesagt. Und ich sage euch: Ihr werdet den Menschensohn zur Rechten Gottes sitzen und auf den Wolken des Himmels kommen sehen.“
Für diese Aussage kreuzigten sie ihn.
Die Behauptung, dass er zurückkehren werde, formulierte Jesus mit Worten aus Daniel, Kapitel 7 – aus der Vision des Menschensohnes, der auf den Wolken des Himmels kommt.
Diese Aussage stand im Zentrum dessen, was wir als sein letztes öffentliches Zeugnis auf Erden bezeichnen könnten.
Da sie ihn für diese Aussage kreuzigten, ist es für mich eine große Herausforderung, mich ihrer nicht zu schämen.
Vor diesem Hintergrund wollen wir uns nun dem Gesamtzweck des Buches der Offenbarung zuwenden. Ich werde Ihnen einiges davon vorstellen, damit Sie einen Eindruck davon gewinnen und hoffentlich den Wunsch bekommen, sich anschließend noch eingehender damit zu befassen.
Dieses Buch eignet sich besonders gut für Pastoren. Es enthält umfangreiches Material, auf dessen Grundlage man Studienkurse oder Predigtreihen entwickeln kann.
Es ist nicht nur ein Buch, das man einmal von Anfang bis Ende liest und dann beiseitelegt. Es ist Quellenmaterial.
Betrachten wir deshalb zunächst den Rahmen des Buches der Offenbarung.
Dieser Rahmen ist einfach.
Die Wiederkunft des Herrn Jesus wird dreimal in Kapitel 1 erwähnt und dreimal in Kapitel 22.
Sehen wir uns das kurz an.
In Kapitel 1 lesen wir von der Gnade dessen, „der ist und der war und der kommt“. Dann heißt es in Vers 7:
„Siehe, er kommt mit den Wolken.“
Und erneut wird von dem Alpha und dem Omega gesprochen, von dem, „der kommt“.
Dreimal wird also vom Kommen gesprochen. Aber von wessen Kommen?
Betrachten wir es sorgfältig. Sie werden feststellen, dass diese Aussagen im Text nicht in einer chronologisch erwartbaren Reihenfolge stehen. Das ist beabsichtigt.
„Gnade von dem, der ist und der war und der kommt.“
Damit ist Gott gemeint.
Gott wird kommen.
Eigentlich würde man erwarten, dort zu lesen:
„Gnade von dem, der ist, der war und der sein wird.“
Das wären die drei Zeitformen des Verbs „sein“. Aber so steht es dort nicht. Es heißt:
„Der kommt.“
Das ist außerordentlich wichtig, denn die Vorstellung eines Gottes, der kommt, ist durch und durch biblisch.
Wozu wird Gott kommen?
Im Alten Testament kommt er vor allem, um die Welt zu richten.
Zu allen Zeiten haben insbesondere die unterdrückten Angehörigen des Volkes Gottes danach verlangt, dass Gott kommt und auf diesem Planeten Ordnung schafft.
Beachten Sie also: Zweimal wird davon gesprochen, dass er kommt. Wenn Sie jedoch fragen, wie er kommen wird, lautet die Antwort:
„Siehe, er kommt mit den Wolken.“
Er wird in der Person des Herrn Jesus Christus kommen.
Es ist das Kommen Gottes in der Person seines Sohnes.
In Kapitel 22 wird die Wiederkunft erneut dreimal erwähnt. Dort spricht jedes Mal Jesus selbst:
„Siehe, ich komme bald.“
„Siehe, ich komme bald.“
„Ja, ich komme bald.“
Das verlangt nach einer Antwort der Gemeinde:
„Amen. Komm, Herr Jesus!“
Damit erhalten wir einen sehr klaren Rahmen.
Am Anfang und am Ende des Buches wird das Kommen des Herrn erwähnt. Diese Aussagen bilden gewissermaßen Klammern, die uns zeigen, worum es in diesem Buch hauptsächlich geht.
Das Buch soll in uns eine Antwort hervorrufen:
„Amen. Komm, Herr Jesus!“
Darum geht es.
Ich betone das, weil manche Menschen nach der Lektüre der Offenbarung anfangen, miteinander über deren Auslegung zu streiten.
Wenn das geschieht, haben sie das Buch nicht richtig gelesen.
Erstens soll es in uns eine lebendige, pulsierende Erwartung hervorrufen:
„Komm, Herr Jesus. Ich kann es kaum erwarten.“
Zweitens ist dieses Buch voller Gesang.
Wenn Sie nach der Lektüre nicht singend daraus hervorgehen, müssen Sie es noch einmal lesen.
Lassen Sie mich ein Beispiel aus dem Alten Testament geben. In Psalm 96 heißt es:
„Es freue sich das Feld und alles, was darauf ist. Dann sollen alle Bäume des Waldes jubeln vor dem Herrn; denn er kommt, denn er kommt, die Erde zu richten.“
Das Thema des Gerichts ist bei den Menschen im Allgemeinen nicht besonders beliebt. Häufig haben wir negative Erfahrungen mit Gericht und Beurteilung gemacht.
Sobald man in höflicher Gesellschaft Gott oder Jesus erwähnt, kann man eine gewisse Nervosität spüren. Denn damit werden Vorstellungen von Verantwortung, Rechenschaft und Gericht eingeführt.
Wir sollten jedoch daran denken, dass das Gericht die andere Seite der Münze der Liebe Gottes ist.
Ein Gott der Liebe muss über jene Dinge richten, die Freude, Hoffnung, Frieden und alles andere zerstören.
Ein Gott, der letztlich nicht richtet und keine Ordnung schafft, wäre kein Gott der Liebe.
Wir haben es also mit zwei Seiten derselben Wirklichkeit zu tun.
Das Buch der Offenbarung ist voller Gericht. Es enthält mehrere Reihen von Gerichten.
Da sind die Siegel, die Posaunen, die Schalen und weitere Gerichtsfolgen. Sie führen zum abschließenden Gericht hin, das wir häufig als das Gericht vor dem großen weißen Thron bezeichnen.
Bemerkenswert ist, dass dieses letzte Gericht nur wenige Verse umfasst.
Es ist eine erschreckende Realität. Aber der Natur der Sache nach muss es stattfinden.
Wir haben also ein Buch über das Kommen Gottes zum Gericht.
Doch Gott kommt in Jesus Christus.
Das Buch heißt:
„Offenbarung Jesu Christi.“
Allein das sollte uns bereits vieles lehren.
Das Buch soll Jesus Christus nicht verdunkeln. Es soll uns mehr über ihn zeigen, als wir zuvor wussten.
Es ist eine Offenbarung.
Das griechische Wort lautet Apokalypse. Häufig verstehen wir darunter eine katastrophale Zerstörung. Eigentlich bedeutet das Wort jedoch Enthüllung oder Offenlegung.
Wir können dieses Buch deshalb mit der Zuversicht lesen, dass wir – sofern wir es richtig verstehen – am Ende mehr über Jesus Christus wissen werden als zu Beginn.
Das Erste, womit sich das Buch befasst, ist daher die Frage:
Wer ist Jesus Christus?
Er ist der treue Zeuge. Er bezeugt die Wahrheit.
Er ist der Erstgeborene aus den Toten – das verweist auf die Auferstehung.
Und er ist der Herrscher über die Könige der Erde – das verweist auf seine königliche Macht.
Wofür legte Jesus als der treue Zeuge Zeugnis ab?
Wenn Paulus an Timotheus schreibt, spricht er davon, dass der Herr vor Pontius Pilatus das gute Bekenntnis abgelegt habe.
Was sagte er zu Pilatus?
„Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“
Jesus bezeugte eine Tatsache, die sich durch das gesamte Neue Testament zieht: Sein Ursprung lag nicht in Bethlehem. Er kam aus dem Himmel herab.
Das ist durch und durch übernatürlich.
Es gibt eine andere Welt.
Damit stellte Jesus sich unmittelbar gegen den zentralen Angriff, den unsere gegenwärtige Gesellschaft gegen den Glauben an Gott und gegen das Christentum richtet.
Der eigentliche kulturelle Zusammenstoß findet zwischen zwei Auffassungen statt.
Die einen sagen:
Es gibt keinen Gott. Dieses Universum ist einfach da. Wir sind Zufallsprodukte der Natur. Das Ganze hat keinen Sinn und kein Ziel.
Die andere Auffassung lautet:
Es gibt einen Gott, der das Universum erschaffen hat. Es gab einen Anfang. Es gab eine Ursache dieses Universums. Und Gott hat sich in Jesus Christus offenbart.
Dieses Universum ist nicht alles, was existiert.
Es gibt eine andere Welt, und sie ist real. Vielleicht ist sie sogar realer als diese Welt.
Der Herr Jesus legte dafür Zeugnis ab. Seine Auferstehung gehört zu den größten Belegen dafür.
Für sehr viele unserer Mitmenschen ist der Tod die Endstation.
Wir dagegen sind dazu berufen, von dem Herrn Zeugnis abzulegen, der von den Toten auferstanden ist und schließlich in Macht erscheinen wird.
Das sind gewaltige Themen:
Wahrheit, Leben und Macht.
Denken Sie nur an den gegenwärtigen Machtkampf unter den mächtigsten Staats- und Regierungschefs der Welt.
Jeden Tag begegnet uns dieses Thema in den Schlagzeilen:
Macht.
Menschen wollen Macht. Sie verschieben die Länder und Interessen auf dem Planeten wie Figuren auf einem Spielbrett, um Macht und Einfluss zu gewinnen.
Die Bühne wird allmählich vorbereitet, und die einzelnen Teile fügen sich zusammen. Nach der Heiligen Schrift wird dies in einem weltweiten autoritären Regime gipfeln, in dem die Technologie eine gewaltige Rolle spielen wird.
Es wird eine autoritäre Weltmacht und eine Weltregierung geben.
Bevor Christus kommt, werden außerordentlich mächtige Weltherrscher auftreten. Die Offenbarung stellt sie uns vor.
Sie wissen, dass das Buch der Offenbarung voller Symbole und Metaphern ist. Das bereitet vielen Menschen Schwierigkeiten.
Sie sagen:
„Welchen Sinn hat ein solches Buch im 21. Jahrhundert? Es ist voller fantastischer Gestalten, wilder Tiere, fliegender Wesen und anderer merkwürdiger Dinge. Das ist doch eine Art Science-Fiction.“
Solange wir dieses naive Denken nicht überwinden, werden wir das Buch nicht verstehen.
In Kapitel 1 begegnet uns die herrliche Gestalt des Herrn Jesus, der zwischen sieben goldenen Leuchtern umhergeht.
Er ist wie ein Richter gekleidet. Seine Augen sind wie eine Feuerflamme und sein Haar ist weiß wie Wolle.
Aus seinem Mund kommt ein scharfes, zweischneidiges Schwert.
Das soll erschreckend wirken, denn diese Gestalt ist wie ein Richter gekleidet.
Es gibt einen biblischen Grundsatz:
Das Gericht muss zuerst beim Haus Gottes beginnen.
Deshalb zeigen die ersten drei Kapitel zunächst den Richter in seiner Auferstehungsherrlichkeit, wie er den sieben Gemeinden erscheint und sich mit ihnen auseinandersetzt.
Erst danach wird über die Gerichte gesprochen, die über die Welt kommen werden.
Im ersten Abschnitt sehen wir den herrlichen Menschensohn. Sein Angesicht leuchtet wie die Sonne, und er geht zwischen den Leuchtern umher.
In den Kapiteln 2 und 3 folgen die Briefe an die sieben Gemeinden.
Jesus interessiert sich dabei besonders für drei Dinge:
Was glauben sie?
Wie verhalten sie sich?
Und wie steht es um die Temperatur ihrer Liebe zu ihm?
Diese drei Punkte sind für jede Gemeinde entscheidend.
Was wir glauben, ist unsere Theologie.
Theologie allein reicht jedoch nicht aus. Sie muss durch ein Verhalten bestätigt werden, das mit ihr übereinstimmt.
Und über beidem muss eine lebendige, liebende Beziehung zum Herrn Jesus stehen.
Was ist nun mit den Leuchtern?
Uns wird gesagt, dass die Leuchter die Gemeinden sind.
Jedes Mal, wenn ich einen Leuchter sehe, könnte ich also sagen:
„Aha, das ist eine Gemeinde. Ich habe das Symbol identifiziert.“
Damit hätte ich die Sache jedoch genau verkehrt herum verstanden.
Die Leuchter sind nicht lediglich ein Code, mit dem die Gemeinden identifiziert werden sollen.
Vielmehr sollen wir die Gemeinden als Leuchter betrachten – als Quellen des Lichts und des Zeugnisses.
Es handelt sich um Öllampen.
Diese Erkenntnis verändert alles.
Metaphern und Symbole stehen immer für eine Wirklichkeit.
Genau das übersehen viele Menschen.
Sie sagen:
„Das Buch ist voller Symbole.“
Aber jedes dieser Symbole steht für eine Realität.
In einigen Gemeinden begann das Licht zu erlöschen.
Der Herr Jesus kommt deshalb zu jeder einzelnen Gemeinde und spricht zu ihr, um die Kraft ihres Lichtes zu stärken.
Bei zwei Gemeinden findet der Herr offenbar nichts Tadelnswertes.
Bei anderen ist die Situation verzweifelt. In manchen gab es ausufernde Unmoral, in anderen falsche Lehren und weitere Probleme.
Diese Gemeinden haben tatsächlich existiert. Es waren reale Gemeinden, die in der antiken Welt gleichzeitig bestanden.
Eine Lampe ist eine Lichtquelle.
Aber derjenige, der zwischen den Leuchtern umhergeht, ist ebenfalls eine Lichtquelle. Sein Angesicht leuchtet wie die Sonne.
Er hält die Sterne in seiner rechten Hand. Auch sie sind Lichtquellen.
Wenn wir die Sonne und die Sterne haben, weshalb benötigen wir dann noch Leuchter?
Weshalb braucht Gott Gemeinden, wenn Gott selbst die Quelle allen Lichtes ist?
Die Männer und Frauen, die in der Welt den größten Einfluss für Gott ausgeübt haben, waren Menschen, die die Herrlichkeit Gottes gesehen hatten und sie anderen widerspiegelten.
Wenn Sie diese Herrlichkeit nicht gesehen haben, können Sie sie auch nicht weitergeben.
Wir wissen, was die Leuchter sind: Es sind die Gemeinden.
Aber was ist mit den Sternen?
Darüber existieren zahlreiche unterschiedliche Auslegungen.
Sind sie Scharen von Engeln? Sind sie die Propheten des Alten Testaments? Oder sind es die Apostel?
Doch „Wer sind sie?“ ist nicht die richtige erste Frage.
Die richtige Frage lautet:
„Was sind sie?“
Es sind Sterne.
Ein Stern ist etwas, dem man folgt.
Leider folgen Menschen häufig den falschen Stars.
Seit Jahrhunderten dienen Sterne jedoch der Orientierung und Navigation.
Betrachten wir die Sterne also als Wegweiser.
Die Heilige Schrift sagt, dass Pastoren und Älteste Wegweiser sind.
Sie sind ein Stern.
Und wo befinden Sie sich?
Die Sterne werden in der rechten Hand des Herrn gehalten.
Johannes sah die Vision der Herrlichkeit, brach zusammen und fiel auf sein Angesicht.
Dann spürte er die rechte Hand des Herrn, die ihn berührte und hielt – jene rechte Hand, in der sich die Sterne befanden.
Das bedeutet, dass der Herr in genau diesem Augenblick selbst einen Stern hielt:
Johannes.
Vielleicht liegt ein schwieriges Jahr hinter Ihnen.
Dann ist es gut, sich daran zu erinnern:
Sie werden gehalten.
Sie werden als Leiter gehalten und aufgerichtet, damit Sie Licht verbreiten können.
Christus möchte Sie gebrauchen, um andere Menschen zu führen.
Er tut es durch uns.
Indem wir zuerst fragen, was das Symbol ist, anstatt sofort darüber zu streiten, wer damit gemeint ist, gelangen wir zu einem sinnvollen Verständnis.
Stellen Sie bei der Auslegung der Offenbarung immer die Frage:
„Was folgt daraus? Wie hilft es irgendjemandem?“
Ein weiteres Beispiel ist für dieses Buch von zentraler Bedeutung.
In Kapitel 5 hören wir, dass der Löwe aus dem Stamm Juda überwunden hat.
Johannes dreht sich um und sieht ein Lamm dastehen, wie geschlachtet.
Wer ist der Löwe?
Es ist der Herr Jesus.
Wer ist das Lamm?
Ebenfalls der Herr Jesus.
Aber das ist nicht der eigentliche Punkt.
Das Symbol ist kein bloßer Code zur Identifikation.
Es soll uns dazu bringen, über den Herrn Jesus als Lamm nachzudenken.
Das Lamm ist ein Symbol, aber dieses Symbol steht für eine Wirklichkeit.
Es vermittelt die Tatsache, dass Christus starb und sein Leben für die Sünden der Welt hingab.
Denken Sie daran:
Symbole und Metaphern stehen immer für Wirklichkeiten.
Die Schlüsselfrage lautet daher nicht zuerst:
„Wer ist es?“
Sondern:
„Was ist es?“
Der Leuchter ist eine Metapher, die uns hilft, die Gemeinden als Lichtquellen zu betrachten.
Mit anderen Worten: Es geht um das Zeugnis.
Nun möchte ich Ihnen einen kurzen Überblick über den zweiten Teil der Offenbarung geben.
Kapitel 4 beginnt mit der Vision eines Thrones im Himmel.
Die Leuchter stehen auf der Erde. Sie repräsentieren die Gemeinden.
Nun werden wir in den Himmel geführt.
Dort befindet sich ein Thron.
Der Thron ist nicht leer. Jemand sitzt darauf.
Er wird nicht von einer unpersönlichen Kraft eingenommen, sondern von einer Person.
Kapitel 4 beschreibt das, was ich die Geometrie des Thrones nenne.
Am Anfang sehen wir diesen einen besetzten Thron.
Am Ende von Kapitel 7 steht dagegen eine unzählbare Menge von Menschen vor dem Thron.
Wie sind sie dorthin gelangt?
Die kurze Antwort lautet:
durch das Lamm.
Das Ganze entfaltet sich wie ein wunderschönes Musikstück mit mehreren Sätzen.
Kapitel 4 beschreibt den Thron. Am Ende wird Gott als Schöpfer gepriesen.
In Kapitel 5 richtet sich der Blick auf das Lamm. Der Höhepunkt ist das Lob des Lammes als Erlöser.
Anschließend werden sechs Siegel geöffnet. Der Höhepunkt dieses Abschnitts ist der Zorn Gottes und des Lammes.
In Kapitel 7 werden die 144.000 aus Israel versiegelt.
Der Höhepunkt ist schließlich die unzählbare Menschenmenge vor dem Thron:
„Das Lamm wird ihr Hirte sein, und Gott wird alle Tränen abwischen.“
Wir bewegen uns von der Schöpfung über die Erlösung bis zur Vollendung der Zeitalter.
Das sind die drei großen Säulen des christlichen Glaubens:
Schöpfung, Erlösung und Vollendung.
Warum erhalten wir überhaupt eine Vision eines Thrones?
Weil wir die Natur der Regierung Gottes verstehen müssen.
Dieses Buch ist voller Gerichte.
Die erste Frage angesichts eines Gerichts lautet:
Wer ist dafür verantwortlich?
Wenn wir heute die Kriege in der Welt betrachten, sehen wir Massaker, Mord und weiteres Leid.
Wie aber ist es bei Gott?
Wie ist seine Regierung beschaffen?
Kapitel 4 gibt uns eine Vision seines Thrones.
Der Himmel existiert.
Im Himmel befindet sich ein Thron.
Glauben Sie das?
Viele Menschen glauben nicht einmal, dass es eine andere Welt gibt – geschweige denn einen Thron in dieser Welt.
Der Thron wird von einer Person eingenommen, nicht von einer Kraft.
Und Gott wohnt in unzugänglichem Licht.
Das Buch der Offenbarung soll mit der Vorstellungskraft erfasst werden.
Um den zentralen Thron herum befinden sich 24 weitere Throne.
Auf einer vertikalen Ebene verläuft ein smaragdgrüner Regenbogen vollständig um den Thron.
Vor dem Thron befinden sich mehrere Leuchten. Außerdem gibt es ein gläsernes Meer, das an das Waschgefäß des alttestamentlichen Heiligtums erinnert.
Ist all dies nur Dekoration?
Offensichtlich handelt es sich um Symbolik.
Aber wofür steht sie?
Der Regenbogen wurde als Zeichen dafür verwendet, dass Gott sein Gericht begrenzt.
Wenn der Regenbogen vollständig um den Thron verläuft, von dem die Gerichte ausgehen, erinnert er uns daran, dass Gott immer Grenzen setzt.
Der Regenbogen im Alten Testament sprach von Gericht und Rettung.
Betrachten wir nun den horizontalen Kreis aus 24 Thronen.
Wer sitzt darauf?
Schon beginnt wieder die Diskussion.
Sind es die Apostel und die Propheten? Sind es Gruppen von Engeln?
Kaum jemand scheint jedoch zu fragen:
„Was sind sie?“
Es sind Älteste.
„Ältester“ ist eine Bezeichnung, die ein Verhältnis des Alters ausdrückt.
Es handelt sich also um Geschöpfe.
Sie sind nicht Gott.
Stellen Sie sich ein modernes Regierungsgebäude vor.
Oben befinden sich kreisförmig 24 Büros. In der Mitte liegt ein gewaltiges Zentralbüro, in dem eine führende Person sitzt.
Was würden Sie daraus schließen?
Jede Anordnung, die aus der Mitte kommt, gelangt an diesen Büros vorbei.
Diese Wesen sind Geschöpfe und ihre Autorität wurde delegiert.
Dieser Thron arbeitet mit Delegation.
Nun können Sie die Natur der Regierung Gottes untersuchen und sie mit anderen Regierungsformen vergleichen – auch mit Ihrer eigenen Art zu führen.
Glauben Sie an Delegation?
Fällt es Ihnen schwer, loszulassen?
Wir alle kennen Situationen, in denen Menschen von Gott pastorale Autorität erhalten haben, diese aber nicht loslassen können.
Sie können keinerlei Verantwortung an andere delegieren.
Dadurch kommt alles zum Stillstand, und schließlich zerbricht die Gemeinde.
Natürlich ist das Symbolik. Doch sie steht für eine Wirklichkeit.
Die 24 Ältesten sind nicht bloß willenlose Jasager. Ihre Autorität ist real.
Gott gibt Menschen Autorität.
Denken Sie an David oder Mose:
„Wer bin ich, Herr, dass ich für dieses große Volk verantwortlich sein soll?“
Haben Sie sich als Pastor jemals so gefühlt?
„Wer bin ich?“
Gott glaubt an Delegation.
Viele Regierungen tun das nicht. Dort kontrolliert die Zentralregierung alles.
Gott erzieht meine Kinder nicht an meiner Stelle.
Ich muss sie erziehen.
Er hat mir die entsprechende Verantwortung übertragen.
Ich erinnere mich daran, wie ich mein erstes Kind, ein kleines Mädchen, in den Armen hielt und dachte:
„Du wirst für immer leben, und ich trage gemeinsam mit meiner Frau die Verantwortung dafür, dich zu erziehen.“
Das Buch der Offenbarung hat sehr viel über Elternschaft, Arbeit und Regierung zu sagen.
Paulus sagt sinngemäß:
„Wisst ihr nicht, dass ihr sogar über Engel richten werdet?“
Vor dem Thron brennen sieben Feuerfackeln, die als die sieben Geister Gottes bezeichnet werden.
Auch sie sind eine Quelle der Erleuchtung.
Nach der Apostelgeschichte fährt der Herr zum Thron des Himmels auf und sendet den Heiligen Geist.
Der Heilige Geist führt die Apostel in die ganze Wahrheit und befähigt uns, in der Welt Zeugnis abzulegen.
Das bringt uns dazu, über die Beziehung zwischen Regierung und Licht nachzudenken.
Dunkelheit ist ebenfalls eine Regierungsmethode.
„Haltet sie im Dunkeln.“
Autoritäre Regierungen tun das ständig.
Dieser Thron dagegen glaubt an das Licht.
„Er hat uns aus der Herrschaft der Finsternis gerettet und in das Reich des Sohnes versetzt, den er liebt und in dem wir die Erlösung, die Vergebung der Sünden, haben.“
Glauben Sie daran, durch Licht zu führen?
Lassen Sie die Menschen wissen, was Sie tun?
Oder sind Sie versucht, Kontrolle auszuüben, indem Sie die Menschen im Dunkeln halten?
Solche Tendenzen existieren in unserem Leben. Deshalb müssen wir uns selbst prüfen – insbesondere dann, wenn wir Leitungsverantwortung tragen.
Teile ich die Dinge mit meiner Frau?
Oder halte ich sie auf subtile Weise bei bestimmten Fragen im Dunkeln?
Wie gehe ich mit meinen Kindern um?
Herrschen Transparenz und Offenheit?
Die Regierung Gottes als Schöpfer ist eine Herrschaft, für die wir geschaffen wurden.
Am Ende von Kapitel 4 wird Gott als Schöpfer gepriesen. Dabei wird etwas sehr Ungewöhnliches gesagt:
„Wir preisen dich, o Gott, denn durch deinen Willen waren sie und wurden sie geschaffen.“
Haben Sie sich jemals gefragt, weshalb Sie existieren?
Warum sind Sie da?
Hier erhalten Sie die Antwort vom Thron Gottes:
Sie existieren, weil Gott wollte, dass Sie existieren.
Haben Sie sich jemals unerwünscht gefühlt?
Den meisten von uns ging es schon einmal so.
Aber Sie existieren, weil Gott wollte, dass Sie existieren.
Ich möchte unter einem solchen König leben.
Für die Regierung dieses Landes bin ich vielleicht nur eine Nummer auf einem Steuerformular.
Aber diese Regierung Gottes wollte tatsächlich, dass Sie existieren.
Das ist es wert, gegenüber Menschen gepredigt zu werden, die sich unerwünscht, ungeliebt oder wertlos fühlen.
In Kapitel 5 preisen sie das Lamm.
Dann folgt vielleicht die ungewöhnlichste Aussage überhaupt:
Das Lamm hat Männer und Frauen für Gott erkauft.
Haben Sie manchmal Schwierigkeiten bei den Geburtstagen Ihrer Frau, Ihres Mannes oder Ihrer Kinder?
Sie fragen sich:
„Was soll ich ihnen kaufen?“
Was würden Sie für Gott kaufen?
Hätten Sie mich für Gott gekauft?
Denken Sie darüber nach, was diese Aussage bedeutet:
Christus hat Sie für Gott erkauft.
Welche Würde verleiht uns das!
Welche Kraft gibt uns das, in unsere unterschiedlichen Lebensbereiche zurückzukehren – mit dem Bewusstsein, dass wir wertgeschätzt werden.
Kaum etwas wirft uns stärker zu Boden als das Gefühl, nicht geschätzt zu werden.
Diese Aussage ist großartig.
Und sie ist möglich, weil es ein Lamm gibt.
Als Johannes über die Öffnung der Siegel nachdachte und niemand gefunden wurde, der würdig war, sie zu öffnen, weinte er sehr.
Viele Menschen besitzen die Macht, die Welt in Stücke zu sprengen.
Aber ob sie würdig sind, ist eine völlig andere Frage.
Johannes weinte, weil er erkannte:
Diese elende Welt wird für immer so weitergehen, wenn niemand gefunden wird, der würdig ist.
Aber es wurde einer gefunden, der würdig ist.
Ein Universum ohne ein Lamm ist etwas, dessen Vorstellung uns erschreckt.
Doch in einem Universum mit einem Lamm sind wir für Gott erkauft.
Die nächste Folge davon ist, dass wir eines Tages den Thron im Himmel umgeben werden.
Das ist vollkommen real.
Ja, es sind Symbole. Aber es sind Symbole einer Wirklichkeit.
Es gibt einen Thron.
Natürlich handelt es sich nicht einfach um einen großen materiellen Kasten. Aber die Symbole helfen uns, einen Zugang zu der dahinterstehenden Realität zu finden.
Die meisten dieser Symbole kamen bereits in der Stiftshütte und im Tempel vor:
Leuchter, der Thron Gottes zwischen den Cherubim und ein Räucheraltar.
Diese Wahrheiten bilden den Hintergrund, der uns darauf vorbereitet, dem Monster entgegenzutreten.
Denn ebenso, wie es einen Thron im Himmel und eine kommende Herrschaft des Herrn Jesus auf Erden gibt, wird es einen weiteren Thron geben.
In unseren Übersetzungen sprechen wir häufig vom Thron des Tieres.
Das zugrunde liegende Wort bezeichnet jedoch ein wildes Wesen. Ich verwende deshalb lieber das Wort Monster.
Wir wissen, was es ist, denn in einer sehr bekannten symbolischen Aussage wird uns seine Zahl genannt:
Denken Sie an all die Vermutungen und Versuche, herauszufinden, wer damit gemeint ist.
Aber viele Menschen lesen den Vers nicht sorgfältig.
Er sagt uns nicht zuerst, wer es ist, sondern was es ist.
Es ist ein Mensch.
Und genau das ist das Entsetzliche:
Es ist die Zahl eines Menschen.
Dieses wilde Monster ist also ein Mensch mit teuflischer Macht.
Es besitzt einen Thron und eine vollständige Machtordnung, die den Thron Gottes nachahmt – allerdings in entstellter und abscheulicher Form.
All die Visionen, die darauf hinführen, sollen unseren Verstand und unser Herz darauf vorbereiten, der kommenden Realität zu begegnen.
Der Triumph des Buches der Offenbarung besteht jedoch darin:
Wenn der Herr wiederkommt, wird er den Thron des Monsters durch den Glanz seiner Erscheinung vernichten.
Möge Gott Sie alle ermutigen, während Sie über dieses Buch nachdenken.
Vielen Dank.
[Applaus]
Ende des Transkripts
Die zentralen Gedanken des Vortrags von John Lennox
Menschen benötigen Vergangenheit und Zukunft
Lennox beginnt mit drei grundlegenden Fragen:
- Woher kommen wir?
- Wer sind wir?
- Wohin gehen wir?
Die Vergangenheit prägt unsere Identität. Deshalb versuchen autoritäre Systeme immer wieder, Geschichte umzuschreiben oder auszulöschen.
Aber auch die Zukunft prägt unser Leben. Menschen benötigen eine Erwartung, für die es sich zu leben lohnt.
Die christliche Hoffnung ist für Lennox deshalb kein vages Gefühl und kein optimistisches Wunschdenken. Sie ist eine begründete Erwartung.
Die zentrale christliche Hoffnung
Im Mittelpunkt des christlichen Glaubens steht nach Lennox die Erwartung, dass Jesus Christus wiederkommen wird.
Diese Aussage sei kein theologisches Nebenthema. Sie gehöre zum Kern des Christentums.
Jesus versprach seinen Jüngern nicht lediglich einen besseren Ort. Er versprach ihnen, dass sie bei ihm sein würden.
Damit ist die christliche Hoffnung letztlich nicht zuerst auf einen Ort, sondern auf eine Person gerichtet.
Die Offenbarung soll Christus sichtbar machen
Das griechische Wort „Apokalypse“ bedeutet nicht ursprünglich Katastrophe, sondern Enthüllung oder Offenlegung.
Das Buch der Offenbarung soll Jesus Christus daher nicht hinter schwer verständlichen Bildern verbergen. Es soll ihn sichtbar machen.
Wer die Offenbarung richtig lese, so Lennox, sollte am Ende nicht vor allem mehr über Spekulationen, Zeitpläne oder politische Verschwörungen wissen.
Er sollte mehr über Jesus Christus verstanden haben.
Symbole sind keine bedeutungslosen Fantasiebilder
Die Offenbarung ist voller Leuchter, Sterne, Tiere, Throne, Siegel und anderer Bilder.
Lennox warnt davor, diese Symbole lediglich als verschlüsselte Namen zu behandeln.
Die entscheidende Frage lautet nicht immer zuerst:
Wer ist damit gemeint?
Sondern:
Welche Wirklichkeit wird durch dieses Bild sichtbar?
Die sieben Leuchter stehen beispielsweise für Gemeinden. Aber das Symbol sagt mehr, als nur eine Zuordnung vorzunehmen.
Es fordert dazu auf, Gemeinden als Lichtquellen zu betrachten.
Damit stellt sich unmittelbar die Frage:
Leuchtet diese Gemeinde noch? Gibt sie Orientierung? Bezeugt sie die Wahrheit? Oder beginnt ihr Licht zu erlöschen?
Die Sterne in der Hand Christi
Jesus hält in der Vision sieben Sterne in seiner rechten Hand.
Lennox versteht Sterne unter anderem als Bilder für Führung und Orientierung. Menschen haben sich über Jahrhunderte an Sternen orientiert. Ein Stern weist einen Weg.
Für Pastoren, Älteste und andere Verantwortungsträger ergibt sich daraus ein eindrückliches Bild:
Sie sollen anderen Orientierung geben. Gleichzeitig werden sie selbst von Christus gehalten.
Johannes fällt beim Anblick der Herrlichkeit Christi zu Boden. Doch genau jene Hand, in der sich die Sterne befinden, berührt und stärkt ihn.
Die Botschaft lautet:
Wer andere führen soll, ist nicht sich selbst überlassen.
Das Gericht und die Liebe Gottes
Das Thema des göttlichen Gerichts wirkt auf viele Menschen bedrohlich.
Lennox bezeichnet das Gericht jedoch als die andere Seite der Liebe Gottes.
Ein Gott der Liebe könne nicht gleichgültig gegenüber Gewalt, Unterdrückung, Lüge, Mord und Zerstörung bleiben.
Wenn Gott niemals richtet und niemals Gerechtigkeit herstellt, wäre seine Liebe gegenüber den Opfern des Bösen bedeutungslos.
Gericht bedeutet in diesem Verständnis nicht Willkür. Es bedeutet, dass das Böse nicht für immer das letzte Wort behalten wird.
Ein Gott der Liebe kann nicht gleichgültig bleiben, wenn das Böse Freude, Hoffnung und Frieden zerstört.
Der Thron Gottes: Macht durch Licht und Delegation
Ein großer Teil des Vortrags beschäftigt sich mit dem Thron Gottes.
Rund um den zentralen Thron befinden sich weitere Throne. Lennox erkennt darin ein Bild delegierter Autorität.
Gott überträgt Menschen Verantwortung.
Diese Vorstellung betrifft nicht nur Regierungen oder Kirchen. Sie betrifft auch Eltern, Lehrer, Unternehmer und jeden Menschen, dem andere anvertraut sind.
Wer Verantwortung erhält, soll sie nicht benutzen, um alles selbst zu kontrollieren. Gute Führung befähigt andere und überträgt ihnen echte Aufgaben.
Daneben stehen vor dem Thron brennende Leuchten.
Auch darin erkennt Lennox ein Regierungsprinzip:
Gott regiert durch Licht.
Autoritäre Systeme regieren dagegen häufig durch Dunkelheit. Sie halten Informationen zurück, verschleiern Entscheidungen und schaffen Abhängigkeit durch Unwissenheit.
Diese Beobachtung führt zu einer persönlichen Frage:
Führen wir durch Offenheit und Wahrheit – oder kontrollieren wir Menschen, indem wir sie im Unklaren lassen?
Der Mensch ist gewollt
Am Ende des vierten Kapitels der Offenbarung wird Gott als Schöpfer angebetet.
Lennox leitet daraus eine einfache, aber weitreichende Aussage ab:
Du existierst, weil Gott wollte, dass du existierst.
Für Menschen, die sich unerwünscht, wertlos oder austauschbar fühlen, ist dies eine grundlegende Botschaft.
Der Mensch ist nicht nur eine Nummer in einer Verwaltung, ein Datensatz in einem Computersystem oder ein zufälliges Nebenprodukt blinder Naturprozesse.
Seine Existenz ist gewollt.
Du existierst, weil Gott wollte, dass du existierst.
Das Lamm und der Wert des Menschen
In Kapitel 5 erscheint Christus als Lamm.
Das Lamm steht für denjenigen, der sein Leben hingibt und Menschen für Gott erkauft.
Lennox stellt dazu eine ungewöhnliche Frage:
Was würden wir Gott schenken?
Die Antwort der Offenbarung lautet sinngemäß:
Christus schenkt Gott Menschen.
Damit wird dem einzelnen Menschen eine Würde zugesprochen, die nicht von Erfolg, Einkommen, Gesundheit, gesellschaftlicher Stellung oder öffentlicher Anerkennung abhängt.
Der Mensch besitzt Wert, weil Christus bereit war, für ihn zu sterben.
Das Monster und die Zahl 666
Zum Ende seines Vortrags richtet Lennox den Blick auf die Gegenmacht zum Thron Gottes.
In vielen Bibelübersetzungen ist vom „Tier“ die Rede. Lennox bevorzugt den Begriff „Monster“, weil damit die wilde und entmenschlichende Natur dieser Macht deutlicher werde.
Die Zahl 666 wird häufig benutzt, um konkrete Personen, politische Systeme oder Technologien zu identifizieren.
Lennox lenkt die Aufmerksamkeit jedoch zunächst auf den Text selbst:
Es ist die Zahl eines Menschen.
Das Erschreckende besteht für ihn gerade darin, dass hinter der monströsen Macht ein Mensch steht – ein Mensch, dessen Macht durch dämonische, politische und möglicherweise technologische Systeme vervielfacht wird.
Die Offenbarung beschreibt damit nicht nur ein fantastisches Wesen. Sie zeigt, wozu menschliche Macht werden kann, wenn sie sich selbst vergöttlicht und keine höhere moralische Autorität mehr anerkennt.
KI ist nicht das Ende der Geschichte
Moderne Technologien können Überwachung, Manipulation und zentralisierte Kontrolle in einem Ausmaß ermöglichen, das früher kaum vorstellbar war.
Damit werden manche Bilder der Offenbarung für Lennox politisch und technisch zumindest leichter vorstellbar.
Dennoch ist künstliche Intelligenz nicht der eigentliche Herr der Geschichte.
Der zentrale Gedanke des Vortrags lautet nicht:
Die Technik wird siegen.
Er lautet:
Weder ein politischer Herrscher noch ein totalitäres System noch eine künstliche Superintelligenz wird das letzte Wort besitzen.
Die Offenbarung endet nicht mit dem Sieg des Monsters.
Sie endet mit der Wiederkunft Christi.
Die Offenbarung endet nicht mit dem Sieg des Monsters. Sie endet mit der Wiederkunft Christi.
Was von diesem Vortrag von John Lennox bleibt
John Lennox liest die Offenbarung nicht als Sammlung sensationeller Rätsel.
Er liest sie als ein Buch über:
- die Herrschaft Gottes,
- die Identität Jesu Christi,
- die Verantwortung von Gemeinden und Leitern,
- die Realität des Bösen,
- die Gefahren entgrenzter menschlicher Macht,
- die Würde des einzelnen Menschen,
- und eine Hoffnung, die über politische und technische Entwicklungen hinausreicht.
Seine Auslegung muss nicht in jedem Einzelpunkt von allen Christen geteilt werden. Gerade das Buch der Offenbarung besitzt eine lange Geschichte unterschiedlicher Deutungen.
Doch Lennox gelingt etwas Entscheidendes:
Er nimmt die Bilder des Buches ernst, ohne sie in Sensationsmeldungen zu verwandeln.
Er verbindet biblische Aussagen mit Fragen unserer Gegenwart, ohne die Heilige Schrift lediglich als verschlüsselten Kommentar zur neuesten Nachrichtensendung zu benutzen.
Und er führt seine Zuhörer immer wieder zum Mittelpunkt des Buches zurück:
nicht zur Angst vor der Zukunft, sondern zu Jesus Christus.
Die Offenbarung führt nicht zur Angst vor der Zukunft, sondern zu Jesus Christus.
Noch ein paar Informationen zu John Lennox
Ein Wissenschaftler in der öffentlichen Glaubensdebatte
Über die Mathematik hinaus wurde Lennox durch seine Vorträge und Bücher über die Schnittstellen von Naturwissenschaft, Philosophie und Theologie bekannt.
Er diskutierte öffentlich mit prominenten Religionskritikern und Denkern wie Richard Dawkins, Christopher Hitchens, Peter Singer und Peter Atkins. Dabei vertritt er die These, dass Naturwissenschaft und Gottesglaube keine konkurrierenden Erklärungen derselben Ebene seien.
Wissenschaft könne beispielsweise untersuchen, wie ein Vorgang abläuft. Damit sei jedoch noch nicht beantwortet, warum etwas existiert, welchen Sinn es besitzt oder weshalb das Universum überhaupt rational erfassbar ist.
Lennox wendet sich deshalb vor allem gegen den sogenannten Szientismus: die philosophische Behauptung, allein die Naturwissenschaft könne sämtliche sinnvollen Fragen beantworten.
Im Jahr 2023 erhielt er den Preis der Dagmar-und-Václav-Havel-Stiftung VIZE 97 für seinen Beitrag zur öffentlichen Diskussion über Religion, Wissenschaft und die moderne Zivilisation.
Bücher über Wissenschaft, Atheismus, KI und die Bibel
Zu seinen bekanntesten Büchern gehören unter anderem:
- Hat die Wissenschaft Gott begraben?
- Warum der neue Atheismus nicht funktioniert
- Stephen Hawking, das Universum und Gott
- 2084 – Künstliche Intelligenz und die Zukunft der Menschheit
- Kann die Wissenschaft alles erklären?
- Wo ist Gott in dieser Welt?
- God, AI and the End of History
Sein Buch God, AI and the End of History: Understanding the Book of Revelation in an Age of Intelligent Machines ist keine allgemeine Einführung in künstliche Intelligenz. Es ist vor allem eine umfassende Auslegung des biblischen Buches der Offenbarung.
Lennox untersucht darin, wie sich die Bilder von Macht, Kontrolle, Verführung, Anbetung und totalitärer Herrschaft aus der Offenbarung vor dem Hintergrund moderner Technologien neu verstehen lassen. Zugleich warnt er davor, jedes neue technische System vorschnell als unmittelbare Erfüllung einer bestimmten Prophezeiung zu bezeichnen.
Das Video: Gott, KI und das Ende der Geschichte
Künstliche Intelligenz bildet den gegenwärtigen Horizont, vor dem Lennox über eine viel ältere und grundsätzlichere Frage spricht:
Wohin bewegt sich die menschliche Geschichte – und worauf kann der Mensch seine Hoffnung gründen?
Wir verstehen, beinahe wie alles funktioniert und wissen doch von fast nichts, welchen Sinn es besitzt.
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